Tipps für das Fliegen mit Drohnen an Bord von Segelbooten

Michael Maas

Von Michael Maas

Michael hat eine Leidenschaft für die Fotografie, die er in der privaten Fliegerei und als Drohnenpilot auslebt. Mit seiner Ehefrau Petra segelt er seit vielen Jahren an Bord ihrer Nordship 38 „Carlotta“ auf der Ostsee – vorzugsweise in der skandinavischen Schärenwelt. Ab Frühjahr 2021 wird sich das Paar auf Langfahrt ins Mittelmeer begeben.

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Titelfoto: ©Sönke Roever

Die aktuelle Technik bietet die Möglichkeit, beeindruckende Aufnahmen unserer Yacht zu erstellen

Als wir den kleinen Yachthafen von Figeholm an der schwedischen Ostküste verlassen, bahnt sich die spätsommerliche Morgensonne mühsam ihren Weg durch den Dunst über der Schärenlandschaft. Es herrscht Windstille und das Wasser ist spiegelglatt. Der Tag ist noch jung und wir sind ganz alleine unterwegs. Langsam tuckern wir durch die steinerne Welt aus Tausend und einer Insel.

Es sind Momente wie dieser, in denen ich meinen Rucksack mit der Drohne hole, die vier Propellerbeine ausklappe und das kleine Fluggerät abheben lasse, um diesen magischen Augenblick für immer festzuhalten.

Morgenstimmung in den schwedischen Schären. ©Michael Maas

Die geschilderte Szenerie ist nur eine von vielen, in denen wir Segler solch imposante Aufnahmen erstellen können. Dank der aktuellen Technik der Foto- und Videodrohnen bietet sich immer häufiger die Möglichkeit, beeindruckende Aufnahmen von unserem Hobby in der Natur zu erstellen. Die Drohne dient dabei als fliegendes Stativ mit Kamera, welches sich beliebig in Höhe und Entfernung positionieren und ausrichten lässt, bis der gewünschte Bildausschnitt auf dem Monitor erscheint.

Mit einer Drohne lassen sich ansprechende Segelaufnahmen einfangen. ©Michael Maas

Hinweis: Ich habe mich für das Modell DJI Mavic 2 Pro entschieden, weil diese Drohne meinen Anforderungen hinsichtlich Kameraqualität (Hasselblad-Optik mit 20 Megapixeln) und Flugstabilität sowie verhältnismäßig geräuscharmem Betrieb entspricht.

An Bord können Drohnen gut in Rucksäcken oder Koffern gelagert werden. ©Sönke Roever

Die Lagerung der Drohne an Bord

An Bord von Yachten mit der salzig-feuchten Umgebung ist es ratsam, die Drohne in einem speziellen Koffer oder Rucksack zu lagern. Viele dieser Behältnisse schützen gut vor Feuchtigkeit und verhindern so ein schnelles Altern der Bauteile beziehungsweise Korrosion an den Elektroteilen. Außerdem lassen sich die Drohnen damit bei Ausflügen komfortabel, kompakt und sicher transportieren.

Vorbereitungen für das Fliegen mit der Drohne an Bord

Eine Drohne zu fliegen ist mit ein wenig Übung unkompliziert. Nach dem Einschalten verbindet sich das Fluggerät automatisch mit der Fernsteuerung und schon nach wenigen Sekunden wird das Sucherbild auf das an der Fernsteuerung montierte Tablet oder Smartphone übertragen.

Über das Sucherbild auf dem Smartphone erhält der Pilot viele Infos von der Drohne. ©Sönke Roever

Wer es sich leicht machen will, startet und landet per Knopfdruck. Dabei hebt die Drohne vollautomatisch ab und landet mittels einer integrierten Funktion, die sich „Return-to-Home“ nennt, auf der letzten gespeicherten Startposition – meist vor den Füßen des Piloten.

Doch Vorsicht: Auf einem beweglichen Boot, das segelt oder vor Anker schwojt, ist das eine eher ungeeignete Methode, wenn die Drohne nicht an der ehemaligen Startposition in der Tiefe versenkt werden soll.

Das braucht man zum Fliegen: Drohne, Steuerung, Tablet oder Smartphone. ©Sönke Roever

Für erste, ungestörte Übungsflüge eignet sich beispielsweise ein großer Parkplatz vor einem Supermarkt oder Baumarkt an einem Sonntag, wenn die Geschäfte geschlossen haben. Hier lässt sich das Fliegen und Landen in Ruhe erlernen, sofern lokale Hindernisse, wie Lampen oder Stromleitungen, im Blick behalten werden.

Bevor über dem Wasser geflogen wird, sollte an Land geübt werden. ©Sönke Roever

Auf so einer Freifläche kann auch gut der Start und das Wieder-Auffangen per Hand mit einer Begleitperson trainiert werden. Ich habe mir angewöhnt, die Drohne dann stets rückwärts zum Fänger zu fliegen, um seitliche Steuereingaben nicht spiegelverkehrt ausführen zu müssen.

Die Landung auf der Yacht aus Sicht der Drohnen-Kamera. ©Michael Maas

Wichtig: Die Sensoren zur Kollisionsvermeidung müssen für die Landung an Bord auf jeden Fall ausgeschaltet sein, ansonsten wird es nie gelingen, in greifbare Nähe des Fängers zu fliegen, weil die Drohne die Person für ein Hindernis hält und ausweicht.

Beim Landen an Bord müssen die Abstandssensoren ausgeschaltet sein. ©Michael Maas

Zur Verdeutlichung kann sich gut diese Situation an Bord vorgestellt werden: Der Akku-Alarm piept, weil die Restladung der Batterie bei weniger als zehn Prozent liegt, und es gelingt dem Fänger an der Reling einfach nicht, die Drohne zu fangen, weil diese ständig versucht, die „Kollision“ mit dem Fänger zu vermeiden, und wieder aufsteigt. Das ist Stress pur. Ich habe es selbst erlebt und erst in letzter Sekunde daran gedacht, die Abstandssensoren abzuschalten.

Kameraeinstellungen bei der Benutzung von Drohnen auf Yachten

Die automatischen Belichtungsfunktionen von Kameras sind dafür ausgelegt, bei Panorama- oder Landschaftsaufnahmen etwa ein Drittel Himmel und zwei Drittel Landschaft optimal zu belichten. Bei Aufnahmen einer weißen Yacht mit weißen, sonnenbeschienen Segeln auf dunkelblauer Wasseroberfläche ist diese Einstellung nicht hilfreich, weil die Yacht dann nur noch als greller, überbelichteter Fleck auf dem Wasser erscheint. Hier muss manuell die Belichtung so weit reduziert werden, dass alle Details der Yacht wieder sichtbar sind. Die Wasseroberfläche wird dadurch zwar sehr dunkel, doch damit lässt sich gut leben.

Die richtige Belichtung zu wählen, ist eine Herausforderung auf See. ©Michael Maas

Bei Videoaufnahmen schalte ich die automatische Belichtungsfunktion grundsätzlich aus, um unerwünschte automatische Anpassungen der Belichtung während des Films zu vermeiden.

Das interessanteste Licht bieten immer die Morgen- und Abendstunden, wenn die Sonne tiefer steht und die Schatten länger werden. So gelingen die schönsten Aufnahmen.

In den Morgen- und Abendstunden ist das Licht oft am interessantesten. ©Sönke Roever

Tipp: Beim Filmen mit der Drohne sollte auf zu viel „Action“ verzichtet werden. Besser sind sanfte und ruhige Bewegungen. Der spätere Betrachter kann so besser die Szenerie betrachten und muss sich nicht ständig auf schnelle Perspektivwechsel einstellen.

Einsatz der Drohne im Hafen

Bei Drohnenflügen in Hafenanlagen gilt es zuallererst die Ungestörtheit und die Privatsphäre anderer Crews zu respektieren. Personen am Boden können nur schwer einschätzen, wer oder was da gefilmt oder fotografiert wird, und reagieren mitunter ungehalten oder sogar aggressiv auf Drohnengeräusche.

Beim Fliegen über Yachthäfen sollte die Privatsphäre der Gäste respektiert werden. ©Michael Maas

Für mich hat es sich bewährt, nicht von Bord oder vom Steg zu starten. Ich suche mir einen schattigen Platz an Land oder auf der Mole und beziehe Zuschauer gern mit ein. Eine Flughöhe von mindestens 30 Metern schützt zum einen die Privatsphäre von Personen am Boden, und zudem ist die Gefahr der Kollision mit einem Mast oder Bäumen unwahrscheinlich.

Wer höher als 30 Meter fliegt, geht den meisten Hindernissen aus dem Weg. ©Michael Maas

Drohnen-Aufnahmen unter Segeln

Eine gleichmäßige Brise unter blauem Himmel, die Sonne scheint und beleuchtet die weißen Segel. Das ist der richtige Moment, eine Yacht während des Segelns aufzunehmen. So entstehen traumhafte Bilder für jeden Skipper.

Aufnahmen der eigenen Yacht unter Segeln wünschen sich viele Eigner. ©Michael Maas

Damit das reibungslos gelingt, hat es sich an Bord bewährt, die Drohne am Heck aus der Hand zu starten, so entfernt sie sich sofort nach achtern aus der Gefahrenzone. Danach können wir in Ruhe die Yacht ins rechte Licht rücken und bei Bedarf die Umgebung mit einbeziehen.

Für diese interessante Aufnahme reichen das Schiff und das Meer. ©Michael Maas

Tipp: Bei Videoaufnahmen sollten möglichst wenig Positionsänderungen der Drohne stattfinden, und wenn dann mit der automatischen Folgefunktion „Active-Track“. Diese Funktion haben die meisten aktuellen Modelle. Hierbei wird auf dem Monitor das zu verfolgende Objekt markiert, und die Drohne hält automatisch den Betrachtungswinkel bei, verfolgt also die segelnde Yacht.

Die meisten Drohnen haben eine Funktion zum Verfolgen der Yacht. ©Michael Maas

Ich halte es für ratsam, bei Flügen über dem Wasser nie mehr als eine halbe Akkuladung zu verfliegen. So bleibt für die Rückkehr zur Yacht und das zugehörige Landemanöver genug Reserve im Akku, um es mehrfach zu versuchen, wenn es auf Anhieb nicht gleich klappt.

Zum Auffangen der Drohne fahre ich in der Regel einen Aufschießer, um das Boot zum Stehen zu bringen. Dann fliege ich rückwärts zum „Fänger“ am Heck und nähere mich mit langsamer Geschwindigkeit an.

Nach dem Fangen kann man bei den meisten Modellen die Drohne auf den Kopf drehen. Das führt dazu, dass die Drohne sofort abschaltet, was in dem Fall sehr praktisch ist.

Die meisten Drohnen schalten sofort ab, wenn man sie auf den Kopf dreht. ©Sönke Roever

Rechtliche Aspekte beim Fliegen mit Drohnen auf Yachten

Die Europäische Luftfahrtbehörde EASA hat einheitliche Regeln zum Betrieb von Drohnen in Europa verfasst, die seit dem 1. Januar 2021 gültig sind. Wer eine Drohne im Freien startet, nimmt automatisch am Luftverkehr teil und unterliegt somit zwingend den strengen Vorschriften der Fliegerei, um die Gefährdung anderer Teilnehmer zu minimieren.

Wer eine Drohne fliegt, nimmt am Luftverkehr teil. ©Sönke Roever

Die aktuell erhältlichen Hobbydrohnen für Foto- und Videoaufnahmen sind in der „offenen Kategorie“ in verschiedene Gewichtsklassen eingeteilt, denen jeweilige Gefährdungspotenziale zugeschrieben sind.

Damit sich jeder Drohnenpilot einmal ausgiebig mit diesem Thema befasst, muss online eine Prüfung beim Luftfahrtbundesamt (LBA) abgelegt werden. Anschließend bekommt man den „Kenntnisnachweis“ als PDF-Dokument zugeschickt. Diese Hürde ist mit etwas Einsatz gut zu schaffen und bisher komplett kostenlos beim LBA aufzurufen.

Fazit

Die Drohne ist an Bord eine echte Bereicherung, wenn es um das Festhalten eindrucksvoller Erinnerungen aus besonderen Blickwinkeln geht. Damit das problemlos gelingt, ist am Anfang ein wenig Übung erforderlich und es muss sich mit der Steuersoftware auseinandergesetzt werden, damit der Pilot weiß, wo beispielsweise die Abstandssensoren deaktiviert werden.

Das eigene Boot aus der Ferne betrachtet. Mit einer Drohne ist das möglich. ©Michael Maas

Grundsätzlich ist das Fliegen einer Drohne – inklusive des Startens und Landens vom Schiff aus – mit etwas Einarbeitung keine allzu große Herausforderung. Mehr noch: Es macht sehr viel Spaß!

Abschließend habe ich im folgenden Video einige Impressionen aus der letzten Saison zusammengestellt. Vielleicht inspirieren sie dich ja, das Drohnenfliegen mit dem Segeln zu verbinden. Weitere Infos über uns gibt es auch unter www.sycarlotta.de

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Jens Tetens
Jens Tetens
8 Monaten her

Hallo, interessanter Beitrag, allerdings ist die seit 01.01.2021 geltende Verordnung nicht ausführlich genug ausgeführt.Es gibt zur Zeit noch keine den Klassen zertifizierte Drohnen zu kaufen.D.h. alle Bestandsdrohnen sind spätestens 2023 nur eingeschränkt nutzbar.

Frank Schroedes
Frank Schroedes
8 Monaten her

Mon Michael,

meine Frau und ich wollen in knapp zwei Jahren los. Nicht die normale Barfußroute sondern über Südamerika, weil wir unbedingt Pategonien bereisen wollen. Dabei wollen wir auch längere Wandertouren mache. Ina und ich hatten uns ntürlich dafür entschieden, dass wir auf jeden Fall eine Drohne mitnehmen wollten. Wenn wir wandern, dann haben wir ja kaum die Möglichkeit Akkus zu laden. Deshalb ist man gezwungen mehrere Akkusätze mitzunehmen. Das ist dann aber auch eine Frage des zusätzlichen Gewichtes.

Aber gerade bei den Wanderungen wäre es doch Mist auf die Drohne zu verzichten. Hast Du da Lösungsansätze?

Michael Maas
Michael Maas
8 Monaten her

Moin Frank,
das sind ja faszinierende Reisepläne!
Ich habe zwei zusätzliche Akkus angeschafft und komme damit gut aus. Das Wichtigste ist, gut in Übung zu sein, damit Du zügig die schönsten Motive im Kasten hast. Oft sind es bei mir nur Flüge von drei oder vier Minuten.
Schaff Dir also die Drohne weit vor der Reise an und sammle Erfahrungen.

Matthias Graf
Matthias Graf
7 Monaten her
Reply to  Michael Maas

Hallo, die DJI Mini 2 eignet sich mit 250g auch sehr gut um auf Wanderungen mitgenommen zu werden, und die Auflösung von 4K ist super. Viel Erfolg

Frank
Frank
7 Monaten her

Hallo, im Bereich der Drohentechnik entwickeln sich die Dinge rasch. Daher würde ich eher noch 18 Monate warten und dann kaufen und danach damit trainieren. So habt Ihr die kleinsten Akkus und die beste Technologie bei Euch. Viel Spaß!